Dauerausstellungen
Die mittelalterliche Burg war Machtsymbol und Lebensraum gleichermaßen. Der erste Teil der Ausstellung „Faszination Mittelalter“ eröffnet Einblicke in die Entstehung einer Burg und stellt ihre Erbauer und Bewohner vor. Vom Luxus des fürstbischöflichen Hofs zu Passau und dem Alltag der einfachen Bediensteten auf der Veste Oberhaus erzählen seltene Fundobjekte und verschiedene Stationen laden dazu ein, selbst aktiv zu werden. So kann man am eigenen Leib erfahren, dass das Leben auf einer Burg fern von romantischen Vorstellungen vor allem kalt und dunkel war, das Schuhwerk unbequem und manch ein Ritterhelm überraschend wenig Sichtfeld hatte.
Der zweite Teil der Ausstellung „Faszination Mittelalter" beschreibt die zentrale Bedeutung der Religion für die Kunstentwicklung des Mittelalters. Bildende Künstler zählten zu den Handwerkern, die Idee des Künstlers der Werke zum ästhetischen Vergnügen schafft, war unbekannt. Ihre Werke wurden, in einer Zeit wo nur wenige des Lesens mächtig waren, zum Zweck der Vermittlung der himmlischen Botschaft geschaffen und als Abbildungen göttlicher Herrlichkeit verehrt. Die Abteilung „Himmlisches Streben“ im Fürstenbau der Veste Oberhaus erklärt, wie religiöse Vorstellungen über die Jahrhunderte durch Bildnisse vermittelt wurden und beherbergt großartige mittelalterliche Tafelgemälde aus der Sammlung der Diözese Passau.
Auf 800m² Ausstellungsfläche wird im Oberhausmuseum die facettenreiche Geschichte der Stadt Passau von ihren Anfängen bis zur Säkularisation 1803 erzählt. Vor fast 7000 Jahren haben sich erstmals Menschen am Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz niedergelassen. Diese außergewöhnliche geografische Lage erlaubte es der Stadt zu einer bedeutenden Handelsstadt mit großer wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung aufzusteigen, zu deren wichtigsten Handelsgütern das „weiße Gold“ des Mittelalters zählte – das Salz.
Zahlreiche historische Exponate und multimediale Präsentationen erwecken verschiedene Stationen der Stadtgeschichte wieder zum Leben. Von den Streitigkeiten zwischen Bürgern und fürstbischöflichen Regenten, über religiöse Umbrüche, wirtschaftlichen Niedergang und verheerende Katastrophen, zeichnet die Ausstellung das Bild einer vielseitigen und komplexen Stadt, die heute mit ihrem barocken Flair und ihren drei Flüssen zu Recht zu den schönsten Städten Deutschlands zählt.
Im historischen Kellergewölbe des Fürstenbaus beleuchtet das Oberhausmuseum die Geschichte von Zunft und Handwerk. Die im Mittelalter entstehenden Zünfte und Bruderschaften der Handwerker waren ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens und erfüllten wichtige soziale Aufgaben. Das Erlernen eines Handwerksberufes und die Mitgliedschaft in einer Zunft waren begehrt, unterlagen jedoch strengen Regeln.
Zahlreiche historische Objekte des „zünftigen“ Lebens und ihre Funktion veranschaulichen den Stolz und die Wichtigkeit dieser Einrichtungen. Verschiedene Zünfte, die prägend für die Stadt Passau waren, werden vorgestellt, wie etwa die Salzfertiger, Wachszieher und Lebzelter. Der Übergang in die Neuzeit und die in der Industrialisierung folgenden Fertigungsmethoden zwangen viele Handwerke, neue Wege einzuschlagen, wie am Beispiel eines Passauer Hafners gezeigt wird.
Das Böhmerwaldmuseum in Passau versteht sich als eine Nachfolgeeinrichtung des Böhmerwaldmuseums in Oberplan (Horní Planá/CZ), das 1923 eröffnet wurde. Nach der Vertreibung wurde das Museum 1954 in Passau, der Patenstadt der Böhmerwäldler, auf der Veste Oberhaus wiedereröffnet und vom "Verein Böhmerwaldmuseum Passau e.V." (heute „Böhmerwaldmuseum Passau e.V.“) gestaltet und betreut. 2012 ging das Museum an die Stadt Passau über. Der Verein unterstützt die Sammlung weiterhin mit Rat und Tat und bietet Veranstaltungen an, um die Kultur und Landschaft des Böhmerwaldes Freunden und Förderern nahe zu bringen. Neben der Darstellung von Geschichte, Kultur und Lebensverhältnissen der früheren Bewohner des Böhmerwaldes will er auch wesentlich zur Verständigung zwischen den beiden Nachbarvölkern beitragen.
Historische Datenbank Böhmerwald
Über 11.000 Fotos und Postkarten aus den Beständen des Böhmerwaldmuseums Passau und dem Böhmerwaldmuseum Wien, sowie zukünftig weitere Sammlungen historischer Aufnahmen und Dokumente, sind seit 2024 in der überarbeiteten "Historischen Datenbank Böhmerwald" zu finden. Gemeinsam mit dem Böhmerwaldbund Oberösterreich und den Museen in Passau, Wien und Krumau, soll die weltweit größte Bilddatenbank des historischen Böhmerwaldes entstehen. Anregungen, Ergänzungen und ähnliches können gerne an das Böhmerwaldmuseum Wien geschickt werden unter boehmerwaldmuseum@aon.at.
Geschichtsbausteine Bayern-Böhmen
Die Universität Passau hat zusammen mit der Südböhmischen Universität Budweis im Rahmen des Projektes "Geschichtsbausteine Bayern-Böhmen" historisch didaktische Bausteine für den Unterricht zum Böhmerwaldmuseum im Oberhausmuseum erarbeitet. Im Zentrum des grenzüberschreitenden Projekts steht dabei das Ziel Jugendlichen aus der bayerisch-tschechischen Grenzregion die Geschichte, Kultur und Sprache der Bewohner des Nachbarlandes näherzubringen.
Das Oberhausmuseum beherbergt seit 1987 die von Prof. Hans Wimmer (1907-1992) persönlich konzipierte und eingerichtete Plastiksammlung mit einem Querschnitt seines künstlerischen Lebenswerkes.
Wimmer gilt als exponierter "Schlussstein" der sogenannten Münchner Bildhauerschule, welche die Entwicklung der deutschen Plastik im 20. Jahrhundert maßgeblich beeinflusste. Der in Pfarrkirchen geborene Künstler mit dem "Faible für Pferde" war nicht nur der "beste Pferde-Bildhauer des Jahrhunderts" (Heinz Spielmann), er war europaweit mit Ausstellungen vertreten und hatte in Hamburg, Nürnberg und Düsseldorf Professuren an der Akademie der Bildenden Künste inne. Neben lebensgroßen Pferden werden eine umfangreiche Menagerie von Tieren, zahlreiche Portraitbüsten und Großplastiken gezeigt.
Die Ausstattung der historischen Passauer Hofapotheke stammt aus dem 17. Jahrhundert und wurde dem Oberhausmuseum von der Apothekerfamilie gestiftet. Die Apotheke am Residenzplatz war einst für die medizinische Versorgung von Fürstbischof und Hof zuständig und wurde erstmals 1384 erwähnt. Ausgestellt ist auf der Veste Oberhaus die Offizin, der Geschäftsraum der Apotheke, mit Rezepturtisch und Vitrinenschränken, Waage und Dekoration – einem für mittelalterliche Apotheken typischen Krokodil. Das dazugehörige Laboratorium zeigt zahlreiche historische Werkzeuge zur Herstellung von Arzneimitteln, Salben und Tinkturen.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war Passau Standort einer weithin bekannten Porzellanfabrik. Dank reicher Kaolinvorkommen im bayerischen Wald und französischer Designs schaffte es die Unternehmerfamilie Lenck, die Passauer Porzellanfabrik zu einem der führenden Industriebetriebe Niederbayerns auszubauen. Neben Alltagsgeschirr und feuerfestem Zement für das Baugewerbe entstanden vor allem Luxusartikel, die in die ganze Welt exportiert wurden. In der umfangreichen Sammlung des Oberhausmuseums befinden sich filigrane Rokoko-Pärchen, elegante Tänzerinnen, napoleonische Soldaten und zahlreiche Tierfiguren.
Im ehemaligen Kanonengewölbe der Veste Oberhaus befindet sich heute ein Feuerwehrmuseum mit einem interessanten Überblick über Ausrüstung, Entwicklung und Uniformen der niederbayerischen Feuerwehren vom Ende des 17. bis in das frühe 20. Jahrhundert hinein. Nach den beiden verheerenden Stadtbränden im 17. Jahrhundert wurde die Ausstattung und Technik der Brandbekämpfung zu einem wichtigen Thema. Neben Handspritzen, ledernen Löscheimern und Rauchmasken beweisen Pompierspritzen, Karrenspritzen und viele andere Modelle den zum Teil erstaunlich hohen technischen Standard der Löschfahrzeuge vergangener Jahrhunderte.
